Uniformen
 
Preuße               Engländer            Alte Garde

 

Einleitung

Im Jahr 1701 wurde Preußen zum Königreich. Mit der Ostsee als Nordgrenze erstreckte sich das Gebiet vom Rhein im Westen bis zur Memel im Osten, , Berlin war die Hauptstadt Im folgenden Jahrhundert sollte es mit Preußen bergauf gehen, besonders unter Friedrich II. (Friedrich dem Großen, 1740-1786), Friedrich war einer der genialsten Feldherren der modernen Zeit Er formte Preußen zu einem höchst erfolgreichen Militärstaat und eignete sich Schlesien und Teile von Polen an. Erst durch diese polnischen Gebiete ergab sich eine Landverbindung zwischen Brandenburg und Preußen.
Napoleon studierte Friedrichs berühmtes Werk über Militärstrategie und hatte großen Respekt vor dem preußischen Heer. Als es dann aber zum ersten Zusammenstoß zwischen Franzosen und Preußen kam, sollte sich zeigen, dass die preußischen Feldherren zu Napoleons Zelt längst nicht das Genie des „Alten Fritz" hatten. Das preußische Heer wurde 1806 bei Jena vernichtend geschlagen, und Preußen musste im Frieden zu Tilsit fast auf die Hälfte seines Territoriums verzichten. In den folgenden sieben Jahren gelang es Preußen aber, sich durch die allmählich eingeführten Reformen der Generäle Scharnhorst und Qneisenau und durch den moralischen Kreuzzug von Generalfeldmarschall Blücher gegen das bonapartistische Frankreich soweit zu regenerieren, dass es in den Feldzügen der Befreiungskriege 1813-1815 die französischen Besatzer abschütteln konnte.
Trotz des katastrophalen Russlandfeldzugs von 1812 und des Verlustes von 600000 Mann musste weiter mit Napoleon gerechnet werden. Da die anderen europäischen Staaten es Immer noch nicht wagten, den geschwächten Kaiser von Frankreich anzugreifen, gelang es diesem schnell, die verlorenen Kräfte zu ersetzen. Anfang 1813 marschierte er an der Spitze eines neuen Heeres in Deutschland ein, fest entschlossen, seine Vormachtstellung in Mitteleuropa wieder herzustellen. Nachdem Preußen sich der Unterstützung durch Russland vergewissert hatte, erklärte es am 17. März Frankreich offiziell den Krieg. Die Würfel waren gefallen.

 

DIE PREUßISCHE ARMEE 1813

Die Preußen gingen mit einem Kader von 56 000 erfahrenen Soldaten in das Jahr 1813. Dazu kamen weitere 33 642 Reservisten. Aus diesen Männern und neuen Rekruten wurden 42 neue Bataillone aufgestellt, Freiwillige aus den mittleren Volksschichten bildeten Truppen, die insgesamt 50 infantristen und 500 Artilleristen umfassten, sowie das Freikorps Trotz des heroischen und romantischen Rufs des Freikorps war das wichtigste neue Element der preußischen Armee die Landwehr. Sie sorgte für den größten Aufwuchs für den Herbstfeldzug 1813, denn sie stellte zusätzlich zum Feldheer und den Blockadetruppen etwa 100 000 Infanteristen und 10000 Kavalleristen. So konnten die Preußen insgesamt auf etwa 271 000 Mann zurückgreifen, von denen 192 000 dem Feldheer angehörten.
Die Königliche Garde und das II, Korps wurden der böhmischen Armee unter dem Österreicher Schwarzenberg unterstellt, das l. Korps Blüchers schlesischer Armee, das III. und IV. Korps der Nordarmee unter Bemadotte, dem Kronprinzen von Schweden, Das IV Korps blockierte mehrere französische Garnisonen hinter den Linien der Alliierten,
Die Reformen von 1807 bis 1812 hatten besonders die Rolle der leichten Infanterie, der Jäger, herausgestellt. Zumindest theoretisch wurden alle preußischen Soldaten für den Jagdkampf ausgebildet. Einer ihrer progressivsten Offiziere war damals Hans David Ludwig von Yorck (1759-1830), Trotz seiner etwas bewegten Karriere wurde General Yorck zum Stellvertretenden Befehlshaber des preußischen Kontingents von 20 000 Mann ernannt, das 1812 nach Russland gesandt wurde Nachdem sein Vorgesetzter Grawert krank geworden war, übernahm er sogar die Führung. Als die Grande Armee in ernsthaften Schwierigkeiten war und der Druck der Russen zunahm, unterzeichnete Yorck am 30. Dezember 1812 die Konvention von Tauroggen und erklärte damit sein Kontingent für neutral. Danach fiel er zusammen mit den Russen In das noch französisch besetzte Ostpreußen ein und leitete damit im Prinzip die Befreiungskriege ein,
1813 war der Höhepunkt von Yorcks Karriere. Erstand stets im Getümmel und kämpfte im Frühjahr mit einem Armeekorps unter seiner Führung in Gross-Görschen und Bautzen. Im Herbst erhielt er den höchsten Generalsrang und trug die Orden des Roten Adlers und Pour le merite. Im Herbstfeldzug kommandierte er das l. Korps von Blüchers schlesischer Armee und stand in zahlreichen Schlachten an vorderster Front, darunter Katzbach, Wartenburg und Möckern, 1814 marschierte er in Paris ein und erhielt das begehrte Großkreuz des Eisernen Kreuzes. 1815 kommandierte er das 5 Korps, nahm aber nicht am Feldzug in den Niederlanden teil. Dieser großartige General, der sich mit den besten Marschällen von Napoleon messen konnte und die meisten von ihnen übertrumpfte, war auch einer der Schöpfer des „neuen" preußischen Heeres und des späteren deutschen Militärsystems. Leider wird er immer noch unterschätzt und verkannt,
Ein weiterer preußischer General, der sich in den Befreiungskriegen einen guten Ruferarbeitete, war Friedrich Wilhelm von Bülow. Er übernahm 1813 die Führung einer Division der preußischen Armee und war in der Nordarmee unter dem Kronprinzen von Schweden Führer des preußischen Korps. Bülow machte sich seinen Namen in den Schlachten von Grossbeeren und Dennewitz, indem er verhinderte, dass Berlin in die Hände der Franzosen fiel. Er fügte Oudinot und Ney schwere Verluste zu. zwischen August 1813 und Juni 1815 extrem erfolgreich im Sieg war und bei Niederlagen zäh und hartnäckig.
Gneisenau war der Mann, der nach der Schlacht von Ligny die preußische Niederrhein-Armee zusammenhielt; er war es, der den Vormarsch auf das Feld von Waterloo organisierte; und er führte schließlich auch die Verfolgung nach der schicksalhaften Schlacht an. Er war einer der wenigen großen Männer, die Napoleon in die Knie zwangen und damit die Geschichte Europas und der Welt beeinflussten.



FREIKORPS und AUSLÄNDER

Der Begriff „Ausländer" ist im Zusammenhang mit der brandenburg-preußischen Armee mit Vorsicht zu verwenden. Über die Jahrhunderte haben sich die Völker über ganz Europa verteilt, es hat stets Vermischungen gegeben und es gibt sie auch heute noch. Auch die politischen Grenzen sind oft nicht an sprachlichen und kulturellen Grenzen orientiert, Preußen war ein Staat in Mitteleuropa mit einem riesigen Territorium und zahlreichen Enklaven Das Hauptgebiet von Brandenburg-Preußen erstreckt sich über die heutigen Gebiete von Deutschland, Polen, Russland und Tschechien, sodass mit „Ausländer" keineswegs „Nicht-Deutscher" gemeint ist. Ein katholischer Bauer aus Polen war ebenso ein Preuße wie ein protestantischer Berliner. Ein deutscher Protestant aus Hannover war aber ein „Ausländer". Es gab viele dieser so genannten Ausländer, die der preußischen Krone ebenso loyal dienten wie jeder gebürtige Brandenburger und als gute deutsche Patrioten ihr Land von den Franzosen befreien wollten. Außerdem griff man im Krieg gern auf diese nicht-preußischen Deutschen zurück, wenn sie nicht bereits in preußischen Diensten standen, und auch bei der Erhebung 1813 gab es unter ihnen zahlreiche freiwillige Rekruten.
Aus den „Ausländern" wurden die Freikorps gebildet. Daneben gab es auch „ausländische" Verbände, die oft in denselben Brigaden oder Korps Seite an Seite mit preußischen Verbänden kämpften. Einige bestanden aus echten Freiwilligen, andere waren nicht ganz freiwillig dabei und zeigten daher weniger Begeisterung.
Das berühmteste Freikorps in den Befreiungskriegen führte Major von Lützow. Er erhielt im Februar 1813 die Genehmigung zur Aufstellung des Korps und rekrutierte zunächst unter den Einwohnern der preußischen Gebiete westlich der Elbe, die Preußen 1807 verloren hatte. Bis Mitte März hatte er vier Infanteriekompanien und zwei Kavallerie-Eskadronen zusammen. Die Rekruten waren überwiegend Handwerker und Bauern, manche waren erst 17 Jahre alt. Lützows Freikorps hatte vielleicht nicht diese hohe militärische Bedeutung, wurde aber in zahlreichen Gedichten, Liedern und Romanen verherrlicht.
Am 17. Juni 1813, kurz nach Inkrafttreten des Waffenstillstands, wurde das Korps von den Franzosen angegriffen und fast völlig vernichtet. Während des Sommers gelang es Lützow aber, durch Neurekrutierungen bis Mitte August das Freikorps auf drei Infanteriebataillone (darunter eine Kompanie Tiroler Schützen im 2, Btl,), drei Eskadronen freiwilliger Jäger, zwei Eskadronen der Husaren, zwei der Ulanen und eine mit Freiwilligen sowie eine Artilleriebatterie zu vergrößern, Nun hatte das Korps eine Stärke von etwa 3600 Mann. In der Reorganisation vom März 1815 bildeten Lützows Männer das 25. Infanterieregiment, die 6, Ulanen und Teile der 9. Husaren.
Lützows Freikorps wurde sehr gefeiert. Es stand im Ruf großer Kühnheit und zog zahlreiche Intellektuelle, Künstler und Dichter an. Seine Mitglieder scheinen einen großen Teil ihrer Zeit mit Komponieren und Dichten verbracht zu haben. Es zählten etwa Theodor Körner, ein früh verstorbener Sachse, dazu und Max von Schenkendorf, der auch heute noch an deutschen Universitäten gelesen wird. Sehr berühmt, wenn auch aus anderen Gründen, war Eleonore Prochaska, die sich als Mann verkleidete, um in das Korps aufgenommen zu werden; sie starb bei der Schlacht an der Göhrde (16. September 1813) durch eine französische Kugel, als sie angeblich eine erbeutete französische Trommel schlagen wollte. Erst in der Todesstunde beichtete sie Ihrem Leutnant das Geheimnis,
An diesem Punkt ist es sinnvoll, den Unterschied zwischen „Freiwilligen" und „freiwilligen Jägern" zu erläutern. In den Freikorps und unter den Ausländern gab es zahlreiche Freiwillige, aber nur wenige, deren Familien ihnen Uniform, Waffen und Ausrüstung bezahlten konnten. Die Freiwilligen, die sich selbst ausstatteten, wurden als „Jäger" bezeichnet, was durchaus ein gewisses Prestige hatte. Sie bildeten separate Truppenteile, damit sie im Alltag des militärischen Daseins der Unterschicht der Gesellschaft nicht zu nahe kamen.
Nicht so bekannt wie Lützows Korps, aber wohl von größerem militärischen Wert war das Mecklenburg-Strelitzer Husarenregiment, ein Verband „ausländischer" Freiwilliger, die In den Feldzügen 1813 und 1814 als Teil von Yorcks Korps kämpften- Aufgestellt wurde das Regiment auf Befehl von Herzog Karl von Mecklen-burg-Strelitz, Vater von Königin Louise, der verstorbenen Frau des Königs von Preußen, Der Verband kämpfte so gut, dass der König von Preußen ihm 1815 eine Standarte verlieh. Er hatte vier Eskadronen mit 20 Offizieren, 44 Unteroffizieren, 12 Trompetern und 400 Soldaten. Dazu kam ein Detachement von 60 freiwilligen Jägern. Die Uniform war schwarz (die der Jäger grün) mit gelben Kordeln.
Hauptmann von Reiche bildete ein „Ausländer-Jägerbataillon" aus Freiwilligen, zunächst in Berlin, später an der Unterelbe. Sie trugen eine grüne Jägeruniform mit grünen Schulterklappen und hatten Infanteriemusketen; die freiwilligen Jäger hatten Gewehre.
Major von Reuß durfte ebenfalls einen „Ausländerverband" aufstellen. Das 1. Bataillon wurde im April 1813 in Berlin aufgestellt, das 2. dann im Mai. Vom 5. Juli an hieß der Verband „Elbe-Infanterieregiment". Im Oktober 1813 kam ein 3. Bataillon dazu, und nach der Umstrukturierung im März 1815 wurde daraus das 26. Infanterieregiment.
Im Mai 1813 übernahm Major von Hellwig die Führung der 3. und 4. Eskadron und einiger Freiwilliger des 2. Schlesischen Husarenregiments und erhielt den Auftrag, Partisanenmaßnahmen hinter den feindlichen Linien durchzuführen. Eine dritte Eskadron wurde in Berlin aufgestellt, dazu kamen etwa 100 Fußsoldaten. Während des Waffenstillstands im Sommer 1813 erhielt das Korps Uniformen aus England. Die Kavallerie erhielten Dolmane, rote Jacken und Pelzmäntel mit weißen Kordeln. Auf dem Kopf trugen sie Kaipaks, die typischen Pelzmützen.


Die vorderen Reihen trugen Lanzen. Im Oktober und November wurde eine starke Eskadron freiwilliger Jäger im Raum Halberstadt aufgestellt, und die Infanterie wuchs auf Bataillonsstärke auf - drei Kompanien und ein Jägerdetachement. Die Infanterie erhielt grüne englische Schutzenuniformen. Im März 1815 entstand aus Reiches Bataillon, Hellwigs Infanterie und dem Reservebataillon des Elbe-Infanterieregiments das 27. Infanterieregiment
Major von Schill, ein Bruder des Schill, der bei dem gescheiterten Aufstand von 1809 ums Leben kam, schloss sich mit einem Detachement von 100 Mann der 2. Schlesischen Husaren in Hamburg dem russischen Oberst von Tettenborn an. Mit königlicher Erlaubnis stellte er dort zwei Husareneskadronen auf. Sie trugen blaue Uniformen mit gelben Kordeln.
Das so genannte 1. Thüringische Bataillon entstand aus einem vorläufigen Bataillon, aufgestellt auf Napoleons Befehl als Ersatz für das 4. Regiment der Rheinkonföderation, das einen Teil der Garnison im besetzten Danzig gebildet hatte. Am 13. April 1613 wurde es von einem Detachementvon 15 Husaren und berittenen Jägern des 1. Schlesischen Husarenregiments gefangen genommen und trat zur preußischen Armee über. Neue Rekruten fand man unter deutschen Kriegsgefangenen und Deserteuren, Es kämpfte im Herbstfeldzug 1813 als 2. Leichtes Füsilierbataillon des Leibregiments, Teil von Horns Brigade in Yorcks Korps. Das Bataillon wurde 1814 aufgelöst. Dieser Verband war besonders ungewöhnlicti: er trug Uniformen im französischen Stil und exerzierte nach französischen Vorschriften, kämpfte aber, und das sogar hervorragend, für das preußische Heer.
Nach Napoleons erster Abdankung 1814 traten zahlreiche „ausländische" Verbände der preußischen Armee bei. Sie waren vorher entweder Teil anderer Armeen gewesen oder wurden in Gebieten aufgestellt, die seitdem unter preußische Kontrolle gekommen waren. Dazu zählte auch die „deutsche Legion", vormals die „russisch-deutsche Legion", die am 2 Juni 1814 in die preußische Armee eintrat.
Diese Einheit wurde 1812 in Russland aufgestellt, zunächst aus deutschen Kriegsgefangenen und Deserteuren; später nahm man jeden, der sich anbot. Die Legion bildete 1813 einen Teil von Wallmodens Korps an der Unterelbe und erreichte schließlich die Stärke von sieben Infanteriebataillonen, einer Jägerkompanie, zwei Husarenregimentern und zwei berittenen Batterien. 1814 kämpfte die Legion in den Niederlanden, 1812 schlössen sich viele preußische Offiziere der Legion an, und viele der ersten Rekruten kamen von der preußischen Armee: z.B. bestand das Jägerbataillon der Legion aus Angehörigen der ostpreußischen Jäger. Mit dem Zusammenbruch der Grande Armee kamen 1812 zahlreiche neue Rekrute neue Bataillone gebildet und Verluste ersetzt werden. In der Reorganisation im März 1815 wurde aus der Infanterie der Legion das 30. und 31. Infanterieregiment, und aus der Kavallerie entstand das Ulanenregiment Nr. 8.
Auch Berg kam unter preußische Verwaltung. Ab Ende 1813 stellte das Herzogtum dem preußischen Heer ein Grenadierbataillon, zwei Linien-Infanterieregimenter, vier freiwillige Jägerkompanien, ein Husarenregiment mit fünf Schwadronen, eine Fußbatterie und eine halbe berittene Batterie. Da nur wenige Männer den Russlandfeldzug überlebt hatten, handelte es sich zumeist um frische Rekruten. Die Reste des berühmten Berger Lanzenreiterregiments schlossen sich dem neuen Husarenregiment an. Danach waren die personellen Ressourcen so erschöpft, dass man niemanden mehr für die neu aufzustellende Landwehr hatte; diese kam dann aus Enklaven des Territoriums von Berg in Nordwestdeutschland. Diese Truppen schlössen sich dem 5. Korps der deutschen Armee unter dem Herzog von Sachsen-Coburg an und nahmen 1814 an der Besetzung von Mainz teil. Im März 1815 wurden die beiden infanterieregimenter in der preußischen Linie zu den Infanterieregimentern Nr. 28 und 29 zusammengefasst. Das Husarenregiment Nr. 11 wurde aus drei Eskadronen der Berg-Husaren gebildet, während die 2. Eskadron der Husaren Teil des 5. Ulanenregiments wurden, und aus den Alliierten der Franzosen, die 1813 absprangen, konnten.