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EINLEITUNG
Fast jede Armee verfügt über eine Einheit, die als ihre Elite gilt. Die Elitetruppen von Wellingtons Armee waren die Foot Guards, und hier waren es gar nicht einmal so sehr die Offiziere, die Wellington hoch schätzte, sondern die Unteroffiziere der Guards.
Diese Unteroffiziere waren natürlich besonders stolz auf den Ruf ihres Regiments als gut ausgebildete und disziplinierte Soldaten. Neue Rekruten mussten sich einer harten Ausbildung unterziehen, damit die Tradition von Gehorsam, Zähigkeit, Loyalität und Stolz auf das Regiment aufrechterhalten wurde. Es reichte nicht, dass die Männer tadellos auftraten - sie mussten absolut makellos erscheinen. Es wurde peinlich auf jedes Detail geachtet, schließlich handelte es sich um die Königliche Garde, Männer, die bei Staatsanlässen anwesend waren und die Wache am St-James-Palast und bei Windsor stellten.
Im Feld waren diese hohen Standards natürlich schwer aufrechtzuerhalten, aber selbst dort achteten die Guards darauf. Während des Rückzugs nach La Coruna im Jahr 1809 beispielsweise war die ganze Armee im Vergleich zu der Landung sechs Monate zuvor ein Schatten ihrer selbst. Trotzdem machten die Ist Foot Guards am Straßenrand Halt, reinigten ihre Ausrüstung und hängten sie sauber in Baumkronen beiseite
Außerdem war ihre Disziplin einzigartig - gut zu sehen bei der Ankunft der Ist Foot Guards in La Coruna während des gleichen Rückzugs:
Als die mitgenommene Armee von Sir John Moore die Ankunft der britischen Armee beobachtete, war sie erstaunt, dass ein Verband im Paradeschritt über den Hügel marschierte, während der Tambourmajor seinen Stock herumwirbelte. Moore wandte sich an Sir Robert Anstruther und sagte schlicht: „Sehen Sie die Männer in der Ferne, das sind die Guards, man sieht es daran, wie sie marschieren," Bei vielen anderen Gelegenheiten zeichneten sich die Foot Guards im Gefecht aus. Sie hielten bei Barrosa und Burgos die Ehre der Garde hoch. Und auch am 18. Juni 1815, als, wie Wellington später sagte, das Schließen der Tore bei Hougoumont den Ausgang der Schlacht von Waterloo entschied - und er fügte hinzu:
„Keine Truppe außer den Briten hatte Hougoumont halten können, und auch nur die besten unter ihnen "
Was den Regimentern der Foot Guards ihre Eigenart gab, war die Zusammensetzung des Offizierkorps, „dieser Kerle in Seidenstrümpfen". Die 1 st Division der Armee, von der die Guards auf der Pyrenäenhalbinsel eine Brigade bildeten, hießen „The Gentlenien's Sons", ein Hinweis auf den hohen Anteil von Adligen in den drei Regimentern der Foot Guards (die Ist Foot Guards, die Coldstream Guards und die 3rd Foot Guards). Die Preise für das Offiziers patent waren so hoch, dass nur Manner mit guten Beziehungen oder Titelen sich in diese exklusive militärische Kaste einkaufen konnten. Dazu kamen die Kosten für die Uniformen, die Rechnungen in der Messe und die Kosten des Gesellschaftslebens: Es war teuer, ein Gardeoffizier zu sein. Trotzdem waren die Offizierspatente begehrt: Es wurden mehr verkauft als in allen anderen Einheiten der Army.
Wenn diese jungen Männer in die Armee eintraten, taten sie es nicht aus Begeisterung für das Militär, sondern auf der Suche nach einem ehrenwerten Ziel und nach körperlicher Ertüchtigung. Sie suchten auch im Feld ein feudales Leben, und es gibt zahllose Geschichten, wie sie Abendgesellscharten mit feinstem Silber ausrichteten und sich mit Luxus umgaben. Sie fanden sogar Zeit für die Jagd auf Füchse und Flugwild, Pferderennen und extravagante Wetten, Kein Wunder, dass man liest, wie die Armee immer wieder versuchte, die Anzahl der Lasttiere beim Marsch zu reduzieren! Vor den Gefahren der Schlacht waren die „Gentlemen's Sons" aber keineswegs gefeit. Sie zeigten in der Regel aber kein großes Interesse an ihrer eigenen Sicherheit. Anscheinend wurden sie von ihren Männern äußerst bewundert. Dafür waren sie sich ihrer Loyalität und ihres Gehorsams sicher, ohne dies wie viele andere erzwingen zu müssen.
Zu Beginn des Krieges auf der Pyrenäenhalbinsel bestanden die Ist Foot Guards aus drei Bataillonen, die Coldstream und 3rd Foot Guards hatten nur zwei. Jedes Bataillon hatte zehn Kompanien: eine Grenadierkompanie, eine leichte Kompanie und acht Bataillonskompanien, Jedes Bataillon wurde von einem Oberstleutnant geführt. Es hatte außerdem zwei Majore, zehn Hauptleute, einen für jede Kompanie, sowie 20 Subalternoffiziere, die Hälfte davon Fähnriche, die andere Hälfte Leutnants.
Die Ausbildung von Wellingtons Foot Guards und anderer Infanteristen konzentrierte sich auf die Waffen. Die Foot Guards führten die Muskete für Landtruppen. Diese hatte ein 107 cm langes Rohr und Kugeln vom Kaliber 19 mm. 1810 wurde eine Version mit 99 cm langem Rohr ausgegeben. Sie war aber schwerfälliger und ließ sich nur schlecht laden und abfeuern. Ein geübter Infanterist schaffte drei Schuss in der Minute. Dabei war die Waffe sehr ungenau. Treffer jenseits von 100 m waren unsicher. Trotzdem halfen diese Musketen in der Masse, die Franzosen von der Pyrenäenhalbinsel zu vertreiben und Napoleon bei Waterloo zu besiegen.
GESCHICHTE DES REGIMENTS
Am 1, August 1808 landeten etwa 9500 britische Soldaten unter dem Kommando von Sir Arthur Wetlesley (später Duke of Wellington) an der portugiesischen Küste nördlich von Lissabon. Das war der Anfang des Krieges auf der Pyrenäenhalbinsel.
Die Foot Guards traten im September in diesen Krieg ein, als etwa 2500 Mann des 1, und 3. Bataillons der Ist Foot Guards sich in Ramsgate einschifften und Ende Oktober in La Coruna eintrafen. Zu dieser Zeit wurde die britische Armee auf der Pyrenäenhalbinsel von Sir John Moore kommandiert, weil Wellesley vorübergehend nach England zurückgerufen wurde. Leider trafen die Foot Guards zu einem äußerst unglückliche Zeitpunkt ein. Napoleon war persönlich in den Süden gezogen, um die Briten aus Spanien zu vertreiben, und die Ist Foot Guards, Teil einer Streitmacht unter Sir David Baird, hatten sich gerade den Hauptkräften der britischen Armee angeschlossen, als Moore seinen Rückzug nach La Coruna antrat Der Rückzug begann am Weihnachtsabend 1808 und endete schließlich mit der Schlacht von La Coruna am 16. Januar 1809. Bei diesem Gewaltmarsch im Winter durch strapaziöses Gelände konnten nur wenige der besseren Einheiten die Disziplin aufrechterhalten. Es kam zu Alkoholexzessen und Plünderungen. Die beiden Bataillone der Ist Foot Guards aber hielten, wie bereits beschrieben, ihre Disziplin aufrecht.
Die Ist Foot Guards sollten erst im Frühjahr 1810 auf die Pyrenäenhalbinsel zurückkehren. Unterdessen waren aber die 1, Bataillone der Coldstream und der 3rd Foot Guards entsandt worden, die im März und April 1809 eintrafen. Im Mai 1809 nahmen beide Bataillone an der Überquerung des Douro teil, die mit der Vertreibung von Marschall Soult aus Portugal endete. Etwas über zwei Monate später waren die Coldstream und 3rd Foot Guards am 27. und 28, Juli an der Schlacht von Talavera beteiligt. Am 28. war der Übermut der Guards stärker als ihre Disziplin, und sie verfolgten die geschlagenen französischen Divisionen von Lapisse und Sebastian! zu lange. Dabei erlitten sie schwere Verluste: etwa 620 Mann wurden verwundet oder fielen. Sie formierten sich aber neu und nahmen wieder ihre Stellungen in der Linie ein, um die Siege von Wellesley - von nun an Viscount Wellington - sicherzustellen.
Es sollte etwa ein Jahr dauern, ehe Wellingtons Armee bei Busaco eine wichtige Schlacht schlug. Danach zog Wellington sich in die Linien von Torres Vedras zurück und erschien erst wieder im März 1811, als er Massenas ausgehungerte Armee auf dem Rückzug verfolgte.
Unterdessen segelten südlich von Cadiz, das von den Franzosen belagert wurde, 4000 Mann der Briten entlang der Küste nach Tarifa, bevor sie dann, unterstützt von 10 000 Spaniern unter General La Pena, in den Rücken der Franzosen marschierten. Am 5. März 1811 trafen die Verbün-
deten bei Barrosa auf die Franzosen. Während dieses Gefechts zeichnete sich die Gardebrigade unter General Dilkes - bestehend aus sechs Kompanien der Ist Foot Guards, zwei Kompanien der Coldstream und drei Kompanien der 3rd Foot Guards - in den erbitterten Kämpfen auf dem Hügel von Barrosa aus.
Die Hauptkräfte von Wellingtons Armee gingen vom 3. bis zum 5. Mai bei Fuentes de Onoro erneut in das Gefecht. Gegen eine Überzahl von knapp 10 000 Mann errang Wellington einen hart verdienten Sieg, bei dem auch die Coldstream und 3rd Foot Guards ihre Rolle spielten und 135 Verluste zu beklagen hatten,
Bis zum Ende des Jahres war Wellington bereit für den Vormarsch in das Landesinnere. Allerdings musste er dazu erst die beiden Grenzfestungen Ciudad Rodrigo und Badajoz nehmen. Im Januar 1812 lagen die Coldstream und 3rd Foot Guards in den Gräben, verschanzten sich und bauten Batterien. Den Angriff übernahmen die 3rd Division und die Light Division, aber die beiden Bataillone hatten ihren Beitrag geleistet, und auch sie wurden für Ciudad Rodrigo geehrt. Die Foot Guards füngierten danach bei der Belagerung von Badajoz als Deckungskräfte unter Sir Thomas Graham. Sie stellten sicher, dass es keine Störungen durch die Franzosen gab, die unter Marschall Soult von Süden heranmarschierten.
Wellington nahm Badajoz am 6. April. Nachdem beide Festungen in seiner Hand waren, rückte er in das Landesinnere vor. Am 22. Juli errang er bei Salamanca einen glänzenden Sieg über Marmont, der 15 000 Mann Verluste und 7000 Gefangene zu beklagen hatte. An der Schlacht nahmen nur die leichten Kompanien der Coldstream und 3rd Foot Guards teil, deren Aufgabe es war, die Schlüsselstellung im Dorf Los Arapiles zu halten. Von Salamanca aus ging es nach Südosten In Richtung Madrid. Nach kurzem Aufenthalt dort ging Wellington nach Nordwesten, um Burgos zu belagern- Diesmal sollte er keinen Erfolg haben. Die Guards schlugen sich tapfer und wurden von Wellington auch dafür gelobt, er fügte aber hinzu, dass es schade sei, dass der Rest der Armee sich nicht ebenso verhalten hatte. Schließlich war die britische Armee sogar gezwungen, sich an die portugiesische Grenze zurückzuziehen.
Im November gingen 800 Mann der Foot Guards von England nach Holland, um unter Sir Thomas Graham am Angriff auf Bergen-op-Zoom teilzunehmen. Der Feldzug dauerte bis 1813 Nach einem missglückten Angriff einigte man sich auf einen Waffenstillstand.
Im Frühjahr 1813 war Wellingtons Armee stark genug für einen erneuten Vorstoß nach Spanien. Im Mai marschierte seine Armee aufVito-ria. Dort zerschlug er am 21 Juni die französische Armee unter Bonaparte. Danach marschierte er in Richtung Pyrenäen. Unterdessen waren die Guards an der Belagerung der Küstenfestung San Sebastian beteiligt, die am 31. August fiel. Nun gab es kein Hindernis mehr nach Frankreich, Am 7. September überquerte er den Bidassoa. Dabei bildeten die Guards die Speerspitze des linken Flügels der Armee. Bei weiteren harten Gefechten nahmen die Brigaden der Guards an der Uberquerung der Flüsse Nivelle und Adour teil. Während die Hauptkräfte von Wellingtons Armee nach Toulouse weiterdrängten, belagerten die Guards Bayonne.
Obwohl Napoleon am 4. April 1814 abgedankt hatte, entschied sich der Gouverneur von Bayonne, Thouvenot, zehn Tage später, einen Ausfall zu starten, bei dem die beiden Brigaden der Guards in einem völlig überflüssigen und sinnlosen Gemetze gene zu beklagen hatten ,l 508 Tote, Verwundete und Gefangene.
Als der Krieg schließlich zu Ende war, kehrten die Truppen in die Heimat zurück,
Ein Jahr später marschierte Napoleon erneut, und zwei Brigaden der Guards wurden für Wellingtons Armee aufgestellt. Die Ist Brigade bestand aus dem 2nd und 3rd Battalion der Foot Guards unter Peregrine Maitland;
die 2nd Brigade unter Sir John Byng umfasste die 2nd Battalions von Cold-s-tream und 3rd Foot Guards. Die beiden Brigaden bildeten zusammen die Ist Division der Armee,
Während der Schlacht von Waterloo hielten die leichten Kompanien der Guards die Schlüsselstellung am Schloss von Hougoumont an der rechten Flanke Wellingtons. Was nichts weiter als eine Ablenkung darstellen sollte, wurde zum Schauplatz eines großen Gefechts innerhalb der Schlacht, da ganze Divisionen der Franzosen dort kämpften. Schließlich wurden bis auf zwei Kompanien die gesamten Coldstream Guards In das Schloss gebracht, eberiso die verbliebenen Kompanien der 3rd Foot Guards. Trotz wiederholter schwerer Angriffe durch die französische Artillerie und Infanterie, blieb Hougoumont In britischer Hand.
Unterdessen hatten die beiden Bataillone der Ist Foot Guards mit dem Rest der verbündeten Armeen den Tag auf dem Hügel hinter Hougoumont unter französischem Feuer verbracht. Als sich Napoleon entschied, seine Kaiserliche Garde zum Angriff einzusetzen, mussten die Ist Foot Guards die volle Wucht des Angriffs tragen. Eine Kolonne der Kaiserlichen Garde erreichte tatsächlich die Spitze der Stellungen der Verbündeten. Im entscheidenden Moment gab Wellington, der die Guards persönlich führte, den Befehl zu feuern. Maltlands Guards erschienen plötzlich wie aus dem Nichts und schössen Salven in die Reihen der Franzosen, die die Flucht antraten. Wellingtons Foot Guards hatten Ihnen einen Schlag versetzt. Als auch noch Blüchers Preußen in immer größerer Anzahl in das Gefecht einstiegen, war die Schlacht gewonnen.
Als Anerkennung für ihre Rolle im Sieg über die Kaiserliche Garde verlieh der Prinzregent den 1 st Foot Guards die Bezeichnung „Grenadiere". Ihr voller Titel lautete nun „First or Grenadier Regiment of Foot Guards".
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