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ALTE GARDE
Das Konzept der Leibgarde ist uralt: Elitesoldaten, die ihrem Herrscher treu dienen und nur seine Befehle befolgen, prägen die Militärgeschichte seit der Antike im Guten wie im Schlechten. Die Soldaten von Napoleons Kaiserlicher Garde, besonders die, die engen persönlichen Kontakt mit dem Kaiser hatten, stellen wohl das letzte Glied in der jahrtausende alten Kette der Leibgarden dar, Waffen und Zeitumstände hatten sich geändert, das Wesen der Leibgarde jedoch blieb. Der anonyme Soldat der Kaiserlichen Leibgarde aber, der in den finstersten Tagen des Rückzugs von Moskau bemerkte „Wir sind erledigt, aber trotzdem ,Vive 1'Empereurl'". drückte den alten Korpsgeist aus.
Die im Mittelalter gegründete Königliche Leibgarde Frankreichs wurde mit dem Massaker an der Schweizergarde in den Tuilerien am 10. August 1792 ausgelöscht. Aber auch die neuen republikanischen Herren brauchten eine Leibgarde und stellten über die folgenden zehn Jahre eine kleine Einheit auf, die öfter umbenannt wurde. Kurz nach dem Staatsstreich vom 19. Brumaire (10. November 1799), bei dem das Direktorium durch das Konsulat ersetzt und Napoleon Bonaparte als Erster Konsul praktisch zum Diktator wurde, schuf man die Konsulsgarde. Ihr erster Kommandeur, der General de Division Joachim Murat, erließ folgende Weisung, die die Absichten des Ersten Konsuls widerspiegelte:
„Dar Erste Konsul möchte, dass die Garde ein Vorbild für die Armee ist. Aufgenommen werden nur Männer, die Heldentaten vollbracht haben, verwundet wurden oder auf andere Weise ... in mehreren Feldzügen Mut, Patriotismus, Disziplin und beispielhaftes Verhalten gezeigt haben. Sie müssen älter als 25 Jahre und 1,78 bis 1,84 Meter groß sein, von robuster Gesundheit und beispielhaftem Verhalten. Sie müssen an drei Feldzügen der Befreiungskriege teilgenommen haben und lesen und schreiben können,"
Tatsächlich sammelte Bonaparte die besten Männer der Armee in einem Korps, das nur ihm loyal war. Diese Männer hatten in den vorangegangenen Jahren unter ihm gekämpft, und ihnen hatte er seinen Aufstieg zu verdanken. Für die folgenden Jahre blieb die Garde, obwohl sie stark anwuchs, Vorbild für das Kaiserreich. Die Alte Garde, die Elite der Elite, war das letzte, unbezwingbare Bollwerk, von einem ihrer Mitglieder als „marschierender Schutzwall" bezeichnet. Von Anfang an überwachte Napoleon Auswahl und Beförderung der Offiziere und Unteroffiziere. Daher war die Aufnahme in Napoleons Leibgarde höchste Auszeichnung.
Zu Anfang hatte die Garde eine Stärke von 2089 Mann, darunter ein 71-köpfiger Stab, eine leichte Infanteriekompanie, eine Kompanie der Chasseurs ä Cheval, zwei Bataillone Grenadiere, zwei Schwadronen der Grenadiers ä Cheval und eine Kompanie leichte Artillerie. Die zwei ältesten Regimenter der späteren Alten Garde - die 1er Grenadiers ä Pied und die 1er Chasseurs ä Pied - wurden am 2, Dezember 1799 aufgestellt.
Im Jahr 1800 erlebte die Garde ihre Feuertaufe und legte dabei den Grund für ihren Ruf, als sie bei Marengo unerschütterlich zwischen den schwankenden französischen Reihen stand. Gleich einer „Festung aus Granit" marschierte die Garde unter Trommelwirbeln wie bei einer Parade und sang zur Begleitung von Guiardels Kapelle das trotzige On va leur percer le flanc (Wir werden ihre Flanke aufreißen). Allein dies ge-
nügte, wie Coignet später bei Austerlitz schrieb, „um einen Gelähmten marschieren zu lassen".
Am 10. Mai 1804 wurde Napoleon zum Kaiser der Franzosen erklärt, und die Garde erhielt ihren endgültigen Namen' „Kaiserliche Garde", Sie wuchs von knapp unter 10000 Mann bis zur Höchststärke von mehr als 100000 Mann im Jahr 1814 an. Im Rahmen dieser Verstärkung wurden drei Kategorien eingeführt: die Alte Garde, die Mittlere Garde und die Junge Garde. 1812 bestand die Alte Garde aus allen Offizieren der Grenadiers, Chasseurs, Füsiliers und Seeleuten, den Oberstleutnants, Majoren und Hauptleuten der Voltigeurs, Tirailleurs, Flanqueurs und Nationalgarden, allen Mannschaften der 1er Grenadiers, 1er Chasseurs, Veteranen und Seeleute sowie den Unteroffizieren der 26 Grenadiers, V Chasseurs und Füsiliers,
Die Kaiserliche Garde konnte natürlich auch bei Zeremonien antreten, aber in erster Linie war sie die Elitekampftruppe der Armee. Sie gab Personal an andere Einheiten ab und war damit auch so etwas wie die Schule der Armee, Obwohl sie einen beträchtlichen Teil der gesamten Streitkräfte ausmachte, blieb sie Napoleons persönliche Garde und wurde mit einer Aufmerksamkeit belohnt, die sie vom Rest der Armee abhob. Napoleon kümmerte sich auch um alltäglichste Dinge wie etwa die Qualität des Brotes, was die gegenseitige Bindung zwischen Garde und Kaiser noch steigerte. Diese väterliche Haltung zeigte sich auch, als Napoleon bei der Inspektion der Kasernen einen 1,93 Meter großen Grenadier sah, dessen Füße über der Bettkante heraushingen. Sofort ließ er neue 2,10 Meter lange Betten bestellen - er wusste schließlich, dass die Gardesoldaten größer waren als der Rest der Armee,
Die Soldaten
Rekruten für die Alte Garde waren Unteroffiziere und Gefreite der Linie mit zehn Jahren Dienstzeit und guter Führung. Andere kamen von den (1806 aufgestellten) Füsiliers der Garde. Die Füsiliers wiederum wurden von Mitgliedern der Jungen Garde verstärkt. Es gab einen ständigen Austausch unter den Garderegimentern, auch umgekehrt. So wurden Unteroffiziere der Alten Garde zur Jungen Garde abkommandiert. Rekruten, die sich durch besonderen Mut ausgezeichnet hatten, konnten gelegentlich die strengen Aufnahmebedingungen umgehen, weit die Garde an ihnen interessiert war, Coignet, der wegen seines außerordentlichen Mutes in der 96" Demi-Brigade für die Garde empfohlen wurde, kam zu den Grenadiers, obwohl er zu klein war. Hier half eine Absprache zwischen seinem Kompaniechef und Davout. Vor der Messung packte Coignet ein Kartenspiel in seine Schuhe. Zum Scherz wurde er - als kleinster Mann seines Regiments - zum „Kameraden" eines gigantischen Grenadiers bestimmt, der der größte im Regiment war, Coignet genoss ein so hohes Ansehen, dass er - gegen die Beförderungsvorschriften - zum Korporal befördert wurde, bevor er überhaupt lesen und schreiben konnte. Während Coignet also seiner Kompanie das Exerzieren beibrachte, lernte er von seinen Männern Lesen und Schreiben.
Selbst nach dem Russlandfeldzug wurden die strengen Normen beibehalten. So blieb während des gesamten Kaiserreichs zumindest das Niveau der Alten Garde erhalten, obwohl die französische Armee nach den ständigen Feldzügen doch gewisse Verschleißerscheinungen zeigte.
Mit der Zugehörigkeit zur Garde genoss selbst ein einfacher Soldat eine besondere Position. Nicht nur Bezahlung, Verpflegung und die Bedingungen waren erheblich besser als bei der Armee (Gardesoldaten hatten auch höhere Ränge als vergleichbare Soldaten der Linie), sondern selbst Offiziere und Unteroffiziere sprachen einfache Gardesoldaten mit „Monsieur" an. Im Feld wurden diese Privilegien besonders deutlich. Die Garde hatte das Vorrecht auf Gerät und Personal. Das konnte für die Armee verheerende Konsequenzen haben. Beim Rückzug aus Moskau etwa traf die Garde zuerst in Smolensk ein und plünderte die Stadt drei Tage lang. Damit hatten die Nachhut und die Flüchtlinge praktisch nichts mehr zu essen. Auch mussten alle Linienregimenter anhalten, sich in Reihe aufstellen und die Waffen präsentieren, wenn sie auf eine Gardeeinheit trafen. Ein eher unerwünschtes Privileg war die Tatsache, dass die Garde als letzte Reserve der Armee von Einsätzen verschont wurde. Das störte die Garde selbst am meisten. Bei Borodino weigerte sich Napoleon, die Garde einzusetzen (was den erfolgreichen Abschluss des Feldzugs und die Zerstörung der russischen Armee bedeutet haben könnte); „Wenn man 2000 Kilometer von der Heimat entfernt ist, riskiert man nicht seine letzte Reserve," Der zynische Spitzname „die Unsterblichen", den der Rest der Armee der Gendarmerie d'Elite der Garde angesichts ihrer Kampfgeschichte gab, wurde aber nie für die Gardeinfanterie benutzt.
Die Beförderungen bei der Garde dauerten oft lange, es sei denn, die Männer gingen zu einem Korps mit niedrigerem Prestige General Dor-senne, der im Auftrag des Grenadierkommandeurs an Disziplin und am perfekten Drill der Garde feilte, kam aus aristokratischer Familie, meinte, nur „Söhne aus guten Familien" sollten Gardeoffiziere werden. Napoleon widersprach ihm: „Die Offiziere meiner Garde hatten wenig Bildung, aber sie passten in meinen Plan. Es waren alte Soldaten, Söhne von Arbeitern und Handwerkern, die ganz von mir abhingen. Die Pariser Gesellschaft hatte keinen Einfluss auf sie. Ich hatte umso mehr Einfluss und konnte mich auf sie eher verlassen, als wenn sie aus einer höheren Schicht gekommen wären." Oberst (später General) Hulin, ein Veteran der Königlichen Armee, gehörte zu den Erstürmern der Bastille; Er hatte in einer Wäscherei gearbeitet, und Baron Gros, Kommandeur der Chasseurs, zeichnete sich eher durch Mut aus als durch feine Manieren oder Bildung.
Die Garde gab nie auf und begleitete den Kaiser stets persönlich. Selbst beim Rückzug stand die Alte Garde aufrecht. Larrey bemerkte, dass sie selbst in den trostlosesten Momenten von 1812 „durch ihre Haltung Erstaunen und Bewunderung erregte und in Wilna wie zu einer Parade einmarschierte".
FELDZÜGE
Die Garde marschierte mit Napoleon nach Austerlitz, aber ihre Infanterie blieb in der Reserve. „Sie weinte vor Wut", sagte eine Meldung. 1806 erhielt jedes Linienbataillon den Befehl, der Garde einen Rekruten zu stellen. Er musste unter 35 Jahre alt, als Grenadier 1,78 Meter und als Chas- seur 1,72 Meter groß sein, zehn Jahre Dienstzeit aufweisen, gute Führung und eine Empfehlung wegen seiner Tapferkeit aufweisen.
Für die Alte Garde war es bei Jena 1806 genauso wie bei Austerlitz:
Sie blieb als Reserve untätig. Besonders die Velites konnten ihre Ungeduld kaum verbergen. Als einer von ihnen „vorwärts!" rief, antwortete Napoleon: „Ein Mann sollte warten, bis er in dreißig harten Schlachten geführt hat, bevor er es wagt, mir Ratschläge zu erteilen." Bei Eylau durfte die Garde einen Bajonettangriff durchführen, bei Friedland blieb sie wiederum untätig. Das und der harte Winter 1806/1807 sorgten für einen neuen Spitznamen. Waren sie bisher als Soud-pieds de guetre (Gamaschenbänder) bekannt, verpasste Napoleon ihnen nun eine neue Bezeichnung - Grognards (Nörgler). Der kurze Einsatz auf der Pyrenäenhalbinsel brachte keine neuen Kämpfe und dafür noch mehr Genörgel,
Aus Gründen der Wirtschaftlichkeit wurden 1809 die beiden Grenadier- und Chasseurregimenter zu jeweils einem zusammengelegt. Die neuen Korps hatten zwei Bataillone zu je vier Kompanien, aber die Kompanien waren stärker als zuvor, Coignet erinnerte sich, dass bei Essling die Bärenfellmützen der Grenadiere sechs Meter in die Luft flogen, als ihre Reihen von Schrot durchsiebt wurden. Hier wurde Napoleon, der sich unnötig in Gefahr begeben hatte, durch die Rufe der Grenadiere zurückgehalten: „Legt eure Waffen nieder, wenn der Kaiser nicht zurückweicht!" Bei Wagram diente die Alte Garde erneut überwiegend als Reserve, obwohl jede Kompanie 20 Mann abstellen musste, die getötete Kanoniere ersetzen sollten. Sie waren äußerst vielseitig, die „Nörgler".
Am 13. September 1810 wurde ein neues 2" Regiment de Grenadiers aufgestellt. Erforderlich wurde dies durch die Aufnahme der ehemaligen Königlichen Garde des Königreichs Holland, nachdem dieses nach der Abdankung von Louis Bonaparte in das Kaiserreich aufgenommen wurde. Da das Kaiserreich so viele Völker umfasste, war nichts Ungewöhnliches an der Aufnahme eines „ausländischen" Regiments in die Garde. Dessen Oberst Ralph Dundas Tindal war zudem Schotte!
Es wurde aber schwieriger, für die Garde Männer mit zehn Jahren Dienstzeit oder guten Leistungen zu finden. 1811 dienten nur noch 532 Veteranen aus Italien und Ägypten in der Garde, Gleichzeitig vergrößerte sich die Garde erneut um ein am 18. Mai 1811 aufgestelltes Regiment, das als 2e Grenadiers geführt wurde. Die Holländer waren fortan die 3® Grenadiers Die 2" Chasseurs wurden am gleichen Tag neu aufgestellt, und man sagte, dass die 2 Grenadiers ein besseres Auftreten zeigten als die 1" Grenadiers. Sie waren „jünger und hatten bessere Figuren", erhielten aber Besoldung und Zulagen der „Alten der Alten". Alle fünf Regimenter marschierten beim Einmarsch In Russland mit Lefevres 3' Division der Kaiserlichen Garde in der Grande Armee; die Chasseurs bildeten Boyers Brigade und die Grenadiers Curials Brigade. Die Alte Garde folgte Le Tonclu („der Geschorene" - ihr Spitzname für den Kaiser), der am Vorabend von Borodino in ihren Reihen schlief, und sie nörgelten wie immer, wenn sie nicht kämpfen durften. Die Alte Garde (zu der streng genommen nur die 1er Regiments gehörten, aber auch das 2'" und das Holländische Regiment erhielten diesen Titel) wurde in der ersten Phase des Feldzugs - im Gegensatz zur Armee - sogar immer größer, da mehr Männer von hinten nachrückten.
Sie begleiteten den Kaiser beim Rückzug, retteten bei Krasny die halbe Armee, wobei ein Bataillon der Holländer dezimiert wurde; danach hatten die Kompanien nur noch Je 20 Mann. Beim Rückzug aus Moskau war die Alte Garde stets zur Stelle, immer zuverlässig und diszipliniert, Der westfälische Major Friedrich Wilhelm von Lossberg erfuhr von einem Unteroffizier der Alten Garde eine Geschichte dazu; Ein französischer Gefreiter, vermutlich von der Garde, plünderte einen toten Offizier aus, um seine eigene dürftige Garderobe aufzubessern, worauf der Offizier stöhnte: „Freund, ich bin noch nicht tot," Der Soldat stand still und sagte voller Respekt: „Jawohl, Monsieur! Ich warte noch einen Moment."
Die Alte Garde plünderte häufig. Coignet sagte: „Wenn man nichts mitnimmt, hat man das Gefühl, dass man etwas vergessen hat." In Moskau machten die Grenadiers sogar Stände auf, um ihre Beute zu verkaufen, von Schmuck über Bücher und Wagen bis hin zu Schuhen - für den Rest der Armee oft die einzige Möglichkeit, etwas zu erwerben.
Selbst im Debakel des Rückzugs blieb die Garde loyal, aber die Verluste wurden unerträglich. Bourgogne von den Füsiliers der Garde traf einen Mann, der ihn fragte, ob er die holländischen Grenadiers gesehen hätte. „Haben Sie sie nicht gesehen? In dem großen Schlitten, der Sie überholt hat, saß das ganze Holländische Regiment - sieben Mann!" Ohne die Kranken und Verwundeten hatte die Alte Garde im Februar 1813 noch 415 Chasseurs und 408 Grenadiers, der Anfang vom Ende,
Die Grenadiers und Chasseurs, verstärkt durch neue Rekruten, bildeten das Rückgrat der erweiterten Garde, die 1813 und 1814 Wunder vollbrachte Die Junge Garde musste aber die Hauptlast tragen und erlitt die meisten Verluste. Während der Bombardierung von Lützen rief Napoleon den 2" Chasseurs zu: „Was, die Garde duckt sich?" Sie traten sofort aus der Deckung und wurden erschossen.
Bei Montmirail erhielten General Henrion und seine V Chasseurs den Befehl, eine Festung zu stürmen. Sie marschierten unter starkem Feuer in Kolonne los, bildeten ein Rechteck, um einen Kavallerieangriff abzuwehren, luden nach, setzten den Marsch fort und nahmen die Festung. Napoleon gab Henrion die Hand und sagte: „General, ich bin mit Ihrem kurzen Halt zum Nachladen völlig einverstanden." Als die Sonne des Kaiserreichs unterging, blieben die „Nörgler" die „marschierenden Schutzwälle" wie eh und je. Als Paris fiel, sammelte Leutnant Viaux, der sich gerade von einer Verwundung erholte, etwa 20 Kameraden und versuchte auf eigene Faust den Montmartre z.u verteidigen. Man fand seine Leiche unter einem Baum, das Schwert in der Hand, umgeben von preußischen Gefallenen.
Noch am 3. April 1814 behielt Napoleon seine Alte Garde um sich, obwohl die „Nörgler" riefen, alle sollten gehen und „ihre Karriere in den Ruinen der Hauptstadt beenden". Jeder Widerstand war zwecklos. Nach der offiziellen Abdankung wurde ein einziges Bataillon der Garde aufgestellt. das Napoleon in sein neues Reich auf Elba begleiten sollte:
1000 Unentwegte, deren Laufbahn von Lodi über Akko bis nach Russland und zurück reichte. Der Rest wurde in die neue Königliche Garde aufgenommen. Dazu wurde nur die Kokarde geändert. Zweifellos mussten sie aber ihre wahre Loyalität unterdrücken, um ihren Sold zu verdienen. Der letzte Akt spielte in Fontainebleau, wo Napoleon sich unter Tränen von seinen „Kindern", der Alten Garde, verabschiedete. Seine Rede wurde nicht wörtlich aufgezeichnet, aber es kam zu einer letzten dramatischen Geste: „Ich kann euch nicht alle umarmen, aber ich umarme euren General." Und nach General Petit küsste er den „Adler" der 1er Grenadiers.
Bei Waterloo blieb die Alte Garde wie immer in der Reserve. Doch als das Ende abzusehen war, wurde sie zu einem Angriff auf den Hügel von Mont St. Jean eingesetzt. Bis heute herrscht Uneinigkeit über den Ablauf des Angriffs und sogar über die beteiligten Bataillone. Klar ist, der Vormarsch der Gardesoldaten, begleitet von Trommelwirbel und den Hoffnungen Frankreichs, war Napoleons letzter Versuch, Die „Bärenfellmützen" konnten die Linien der Verbündeten nicht aufbrechen, wollten aber auch nicht aufgeben. Sie klammerten sich an den Hang, ihre Ränge schwankten wie Espenlaub im Wind, wie ein Augenzeuge sagte, und wurden allmählich vom Musketen- und Artilleriefeuer vernichtet. Fast hätten sie den Hügel genommen. Der Ruf „La garde recule" (Die Garde zieht sich zurück) war der Todesstoß für das Kaiserreich. Die 1er Grenadiers, die „Alten der Alten" standen weiterhin in der Reserve und versuchten vergeblich, die Flüchtenden aufzuhalten. General Cambronnes antwortete angeblich auf die Aufforderung aufzugeben: „La gsrde meurt et ne se rende pas" (Die Garde stirbt, aber sie ergibt sich nicht). Dies galt für viele der alten Krieger, die am 18. Juni 1815 fielen. Die 1er Grenadiers zogen unter Trommelwirbel und mit dem Regimentslied „La Grenadiere" in Formation ab und sammelten die Überlebenden der anderen Einheiten ein.
Als Napoleon geschlagen war und die Bourbonen wieder auf dem Thron saßen, wurde die Garde aufgelöst. Einige Soldaten traten in den Dienst des Königs, andere wanderten in die gescheiterte französische Kolonie in Texas aus. Viele lebten mehr schlecht als recht vom halben Sold, Als Napoleons Leichnam 1840 nach Frankreich zurückkehrte, marschierten sie noch einmal auf, vom Alter gezeichnet und in abgetragenen Uniformen. Der Geist der Alten Garde wurde von Grenadier Noisot verkörpert, der auf eigene Kosten bei Dijon ein Bronzedenkmal für Napoleon errichten ließ, und er ließ sich stehend in der Nähe des Denkmals begraben, damit er seinen Kaiser in alle Ewigkeit beschützen konnte.
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